Aktuelle Berichte
Home // Ansichtssache // Ansichtssache – Anspannung II

Ansichtssache – Anspannung II

Das waren doch schön ruhige Zeiten, so ab nach dem zweiten Weltkrieg, wo Sport und Politik schön getrennt waren. Vielleicht mal abgesehen von Black Power- Bekundungen oder dem Terroranschlag auf das olympische Dorf in München. Der Sport führte Menschen aus aller Welt zusammen, ohne dass politische Ausrichtung, Religion oder Hautfarbe eine gewichtige Rolle gespielt hätten. Die Zeiten sind zumindest in diesem Land aber wohl endgültig vorbei. Das ist schön zu sehen an den jüngsten Ereignissen um Clemens Tönnies und Daniel Frahn. Schalke-Aufsichtsratchef Clemens Tönnies hatte beim Tag des Handwerks in Paderborn als Festredner Steuererhöhungen im Kampf gegen den Klimawandel kritisiert. Stattdessen solle man lieber jährlich 20 Kraftwerke in Afrika finanzieren. „Dann würden die Afrikaner aufhören, Bäume zu fällen, und sie hören auf, wenn‘s dunkel ist, Kinder zu produzieren“, sagte Tönnies… Seitdem tobt der Mob. Und das nicht etwa beim Handwerk oder in der Fleischindustrie, sondern komischerweise beim Fußball. Dort wird ihm blanker Rassismus vorgeworfen, der mit den Werten des Sportvereins nicht vereinbar ist und es werden Stimmen nach Rücktritt laut. Nun ja, der Spruch war wirklich nicht besonders schlau und in der Sache erst einmal falsch. Er wollte damit ausdrücken, dass eine CO2-Steuer nicht den Klimawandel aufhält und das ist zwar erst mal richtig, beim Thema Waldrodung aber ist Brasilien ganz vorn, beim Thema Bevölkerungszuwachs Indien. Bei der Masse. Prozentual spielen hier auch Länder wie der Kongo oder Nigeria eine Rolle, aber prozentual wirkt sich halt weniger aufs Klima aus. Verquickt wurde das Ganze natürlich mit der Aussage, dass man mehr Sex hat, wenn es keinen Strom gibt. Das ist allerdings wahr, wie größere Stromausfälle in Industrieländern beweisen. Der Rückschluss auf den Klimawandel ist natürlich grundverkehrt, zwar machen mehr Menschen und weniger Pflanzen mehr CO2, aber die mit Abstand größten Verursacher liegen in erster Linie in den USA und in China. Tönnies selbst ist mit seiner Fleischindustrie auch kein Waisenknabe, aber ein Rassist ist er sicher nicht. Gerald Asamoah: „Ich bin ehrlich gesagt etwas sprachlos. Ich arbeite schon lange mit Clemens Tönnies zusammen und wir sind auch schon lange eng befreundet“, so Asamoah. „Seine Äußerung hat mich sehr überrascht, geschockt und auch verletzt. Klar ist, dass es nicht in Ordnung ist und es sich nicht gehört. Er beleidigt mich und alle anderen Betroffenen.“ Ihm gegenüber habe sich Tönnies allerdings nie rassistisch verhalten. Natürlich nicht, weil Tönnies auch nicht rassistisch ist. Für ihn war Afrika ein Synonym für Länder, die in der Entwicklung zurückstehen. Wäre der Aufschrei wohl auch so groß, wenn er Asien genannt hätte? Genau wie bei Chemnitz‘ Kapitän Daniel Frahn. Der wurde gerade gefeuert, weil er im Fanblock neben anerkannten Neonazis gestanden hat. Und weil er früher schon ,mal ein T-Shirt mit der Aufschrift „Support your local Hool“, also „Unterstütze die eigenen Hooligans“, getragen hat, ist er jetzt Wiederholungstäter. Möglich, dass der Verein da noch mehr weiß, der angegebene Grund für den Rauswurf ist aber erst einmal sehr konstruiert. Schließlich kann man sich nicht von jedem, neben dem man steht, erst einmal die einwandfreie Gesinnung beweisen lassen. Und selbst wenn da eine dicke Freundschaft herrschen würde, hieße das ja nicht, dass man auch die selben Werte vertritt. Und wenn man jetzt jeden, der einmal ein unbedachtes Wort fallen lässt oder sich am falschen Ort aufhält, einen Rassisten nennt, macht man dadurch automatisch die wahren Rassisten salonfähig. Ansonsten sollten Sportler nicht nach ihrer Hautfarbe, Gesinnung oder Religion beurteilt werden, sondern nach ihrer sportlichen Leistung.
Funktionäre misst man ja auch an ihrer….hmmmm, schlechtes Beispiel.

---ANZEIGEN---

 
 


Hier ein neuer Bericht

Ansichtssache – Anspannung

10Während sich hier alle mit der Frauenfußball-WM und den U21-Talenten befasst haben und vielleicht noch …

Facebook