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Ansichtssache – Nachhalltig

Der schlimmste Auswuchs der Bou-levardpresse sind wohl Hetzjagden gegen einzelne Personen. Und dass das im Internet noch verstärkt wird. Pausenlos wird Menschen etwas unterstellt. Man hält das für investigativen Journalismus, in Wahrheit handelt es sich aber oft um Behauptungen, denen die seriöse Grundlage fehlt. Und die Auswirkungen sind extrem, wenn nicht gar existenzbedrohend. Christian Wulff legte sein Amt nieder, Jörg Kachelmann verlor sämtliche Aufträge beim ÖffentlichRechtlichen Rundfunk, um nur mal zwei Beispiele zu nennen.
Und bis heute gibt es Zweifel in der Bevölkerung, ob da nicht doch etwas dran war. Dieses Schicksal teilt auch Bakery Jatta. Die Sport-Bild hatte eine Quelle entdeckt, nach der der HSV-Spieler eine andere Identität benutzte. Bild und Bild am Sonntag machten daraus erst einmal eine Kampagne.
Klar, Indizien gab es genug. Eine Namensähnlichkeit, auch am 6. geboren, eine ähnliche Frisur und zwei Trainer, die behaupteten, den Gambier früher mal trainiert zu haben. Laut Sport Bild. Einer der beiden widersprach dem aber sofort.
Der HSV blieb ruhig, die Behörden leiteten eine Untersuchung ein, ebenso der DFB. Karlsruhe, Bochum und Nürnberg wollten ihre verlorenen Spiele gegen den HSV annulliert haben. Und der Spiegel fand irgendwo in den Football-Leaks, dass diese Behauptung schon 2016 aufgestellt worden war. Da hatte der HSV aber auch schon keine bestätigenden Hinweise gefunden. Jetzt hat man sich mit den Behörden in Gambia in Verbindung gesetzt und sich noch noch einmal eine beglaubigte Geburtsurkunde schicken lassen. Bakery Jatta gibt es also wirklich und sein Pass ist sowieso echt. Die Ermittlungen wurden eingestellt, die beim DFB auch, die Vereine zogen ihre Einsprüche zurück, nur die Bild glaubt natürlich nicht, dass man unrecht gehabt haben könnte. Da bleibt ja noch die Sache mit der gleichen Frisur. Und deshalb gibt es auch keine Entschuldigung, wie sie Dieter Hecking fordert. Das gab es in den vorgenannten Fällen auch nicht, noch 2019 wurde der Bild vom europäischen Gerichtshof für Menschenrechte untersagt, weiterhin ein Foto von Kachelmann in Anstaltskleidung zu veröffentlichen. Hm, das mit Jatta hat jetzt nicht so geklappt, da zaubert man schon den Nächsten aus dem Zylinder: Die Bild schreibt, eine Frau hätte sich bei der Polizei gemeldet, Christoph Metzelder hätte ein Foto mit kinderpornografischem Inhalt an eine Freundin verschickt. Hamburgs Polizeisprecher allerdings sagt, die Bild selbst hätte diesen Hinweis gegeben. Danach folgt natürlich wie immer bei solchen Anschuldigungen eine Hausdurchsuchung, von der Bild kommentiert mit „Razzia bei Fußball-Star Metzelder“. Dann „Hier holen Fahnder Metzelder aus der Sportschule“, obwohl Christoph Metzelder nie verhaftet wurde. Und dann „Warum sind sich die Ermittler so sicher?“. Das hat jetzt eine neue Qualität. Diesmal gibt es die Vorverurteilung nicht auf Grund eines bestehenden Verdachts der Behörden, sondern die Zeitung hat den Verdacht überhaupt erst entstehen lassen, um exclusiv darüber berichten zu können. Das macht auch wirklich Sinn. Kachelmann bekam in erster Instanz 635.000 € Schmerzensgeld vom Springer-Verlag zugesprochen, in zweiter Instanz wurde dies auf 395.000 € reduziert. Die Bild macht täglich 1,5 Millionen € Umsatz, da lohnt es sich wirklich Themen zu erfinden, die sich ein paar Tage halten. 2010 hat die Bild noch über drei Millionen pro Tag gemacht, da muss man sich schon was einfallen lassen.
Und im Moment sind gerade Sportler im Fokus. Und Kinderpornografie ist ohnehin ein Reizwort, da kann nicht mal
mehr eine Nazi-Vergangenheit mithalten. Wirklich schlimm ist nur, dass immer etwas haften bleibt. Denn manchmal sind die angeblichen Täter die wahren Opfer.

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